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Soldaten Mehringer und Czech

In der Lotsenleitstelle des Zentrums Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz setze ich mich nach unserem gemeinsamen Fototermin zusammen mit Martin Mehringer, Clemens Czech und dessen Hund Milo.

 

„Mein Name ist Oberstleutnant Martin Mehringer. Ich bin der Leiter der Leitstelle für Lotsen am Zentrum Innere Führung. Wir bilden in der Leitstelle die Lotsinnen und Lotsen für einsatzgeschädigte Soldaten aus. Sollte im dienstlichen Einsatz etwas passieren, ist somit jemand da, der die Kameraden aufnimmt, sich um sie kümmert und sie unterstützt. Ich wohne in Bamberg, bin verheiratet und bereits fünffacher Opa. Seit zweiundvierzig Jahren bin ich Soldat.“

„Ich heiße Clemens Czech, bin 54 Jahre alt und wohne in Diez an der Lahn. Ich bin seit 1992 Soldat und arbeite seit dem Jahr 2014 hier in der Lotsenleitstelle.“

 

Die beiden Männer bilden ein eingespieltes Team. Das spürt man gleich. Lotsinnen und Lotsen sind Kameraden und Gesprächspartner zugleich, jedoch auch Wegbegleiter und helfender Vermittler. Um die Lotsenorganisation bundesweit zu koordinieren, wurde die Leitstelle für Lotsen der Bundeswehr eingerichtet.

Soldaten Martin Mehringer und Clemens Czech beim Fotoshooting "Gesichter des Lebens"
Millo gehört ebenfalls zum duften Team der Lotsenleitstelle
Millo gehört ebenfalls zum duften Team der Lotsenleitstelle

Was macht Ihre Leitstelle, Herr Mehringer?

 

„Die wichtigste Aufgabe ist die Ausbildung der neuen Lotsen. Dies geschieht in einem zweiwöchigen Lehrgang, bei dem zugleich zwanzig Soldaten ausgebildet werden. Zusätzlich kann man sich noch eine weitere Woche lang weiterbilden. Wir hier in Koblenz sind die einzige Leitstelle innerhalb der deutschen Bundeswehr.“

 

Herr Czech erzählt: „Es gibt je Lehrgang eine Warteliste von ca. dreißig bis vierzig Soldaten. Wir sprechen diese Warteliste mit den Ansprechstellen der Organisationsbereiche (OrgBer) ab, wo dringend Bedarf an Lotsinnen und Lotsen besteht. Für diese Standorte werden dann die Teilnehmer, nach Kontaktierung  durch die Ansprechstellen, zu den Lehrgängen eingeladen". 

Soldat Martin Mehringer beim Fotoshooting "Gesichter des Lebens"
Soldat Clemens Czech beim Fotoshooting "Gesichter des Lebens"

Gibt es Grundvoraussetzungen um Lotse zu werden?

 

„Man muss natürlich Angehöriger der Bundeswehr sein. Wichtig ist eine mentale Stabilität, um auch eventuell mit dem eigenen Trauma gut zurecht zu kommen. Es passiert nur ganz selten, dass ein Lotse für die Aufgabe nicht geeignet ist oder dass er selbst erkennt noch nicht stabil genug zu sein.“

 

Gibt es für die Lotsentätigkeit festgelegte Aufgaben?

 

Herr Mehringer lächelt. „Ja klar! Für alles gibt es bei der Bundeswehr eine Vorschrift, also auch hierfür. Im Aufgabenkatalog stehen alle Aufgaben drin. Es kommt auch vor, dass wir den Lotsen sagen müssen: Nein, das ist nicht eure Aufgabe!“

 

Herr Czech ergänzt: „Zum Beispiel die Hausaufgabenbetreuung für Kinder eines Einsatzgeschädigten oder Finanzberatung. Lotsen sind auch keine Therapeuten.“

Soldat Martin Mehringer fotografiert Nikon Z7II und Nikkor Z 50mm F/1: 1,2 S
Soldat Clemens Czech fotografiert Nikon Z7II und Nikkor Z 50mm F/1: 1,2 S

Wieviele Menschen betreut ein Lotse?

 

„Zu Beginn der Tätigkeit sind es meistens ein bis drei zu betreuende Soldaten. Im Laufe der Zeit können es mehr werden. Die Anzahl seiner Schützlinge kann ein Lotse selbst abwägen und bestimmen.“

 

Wieviel Lotsen gibt es?

 

„Aktuell sind es 429 bereits ausgebildet, insgesamt haben wir 620 Lotsen. Da die Lotsenarbeit ja während der Dienstzeit durchgeführt wird, müssen die Kameraden dazu vom ursprünglichen Dienst freigestellt werden. Das ist immer ein Spagat, den man gemeinsam mit den jeweiligen Vorgesetzten hinbekommen muss.“

 

Ist eine einzige Leitstelle in Deutschland für die Ausbildung der Lotsen ausreichend?

 

Meine beiden Interviewpartner schauen sich an. Ich spüre ihre Verbundenheit und Einheit im Team. „Ja, wir können den Bedarf an Lotsen mit unserer Ausbildung abdecken.“

Milo der gute Freund von Herrn Czech und auch Herrn Mehringer. Er gehört zum Team der Lotsenleitstelle einfach dazu.
Milo der gute Freund von Herrn Czech und auch Herrn Mehringer. Er gehört zum Team der Lotsenleitstelle einfach dazu.
Fotografiert Nikon Z7II + Z6II Nikkor Z 50mm F/1: 1,2 S + Nikkor Z 85mm 1,8 S

 Um viel mehr von Herrn Mehringer und Herrn Czech zu erfahren,

hört dazu gerne auch das Interview zum Shooting hier auf der Website.

Fotografiert Nikon Z7II und Nikkor Z 50mm F/1: 1,2 S

Was hat sich seit Beginn Ihrer Tätigkeit geändert?

 

Herr Mehringer spricht die Supervision der Lotsen an: „ Das ist eine fachliche Anleitung für Lotsen, sich selbst zu reflektieren und einzuschätzen. Diese Supervision wird mit Psychologen durchgeführt, um herauszufinden wo persönliche Stärken und auch Schwächen sind. Dies ist gut und wichtig!“ Herr Czech beantwortet meine Frage: „Das gewachsene Netzwerk bestehend aus Helfern, Dozenten, verschiedenen Stiftungen. Es ist also die Zusammenarbeit - die große Familie der Lotsen. Im Laufe der Jahre entstand eine richtige Helferfamilie, in der man sich austauscht, gegenseitig hilft und berät.“

 

Wie lange wartet ein einsatzgeschädigter Soldat im Durchschnitt bis er sich professionelle Hilfe holt?

 

„Es vergehen im Durchschnitt ungefähr fünf Jahre, ehe ein Erkrankter sich Unterstützung holt.“ Die Lotsen binden auch die Familien in ihre Unterstützung ein. Wie geschieht das, Herr Zech? „Es erfolgt zunächst ein Erstgespräch zwischen einem Lotsen und dem Kameraden, der Hilfe sucht. Man lernt sich kennen. Während der persönlichen Begleitung durch seinen Lotsen wächst dann Vertrauen. Man bespricht auch Themen aus der Familie. Dabei darf der Lotse aber nur unterstützend wirken. Ins Handeln muss der Betroffene selbst kommen. Er sollte dieses Mitwirken wirklich wollen. Dann kommt das Tun manchmal ganz von allein.“

Fotografiert Nikon Z7II und Nikkor Z 50mm F/1: 1,2 S

Unser Gespräch während des Shootings habe ich aufgenommen und ich veröffentliche es hier. Zuhören ist ein wichtiger Teil meines Fotoprojektes „Gesichter des Lebens“. Ich schenke den Menschen Zeit und meine volle Aufmerksamkeit . 

Fotografiert Nikon Z7II und Nikkor Z 50mm F/1: 1,2 S beim Fotoshooting "Gesichter des Lebens"
Lieblingsfotostrecke der beiden duften Herren
Fotografiert Nikon Z7II und Nikkor Z 50mm F/1: 1,2 S
Mein Herzensfoto von Herrn Mehringer und Czech

Kann die Bundeswehr etwas verbessern für die Lotsenarbeit?

 

Herr Mehringer überlegt kurz und antwortet: „Ja, es muss verstärkt ein Dreiklang hergestellt und auch angenommen werden, Vorgesetzter - Lotse - Betroffener. Bisher herrscht immer noch bei vielen Soldaten eine Angst gegenüber den einsatzgeschädigten Kameraden im Umgang vor. Das müsste sich verbessern!  Auch dass jeder OrgBer noch seinen eigenes Lotsenwesen hat, was ja geschichtlich bedingt ist. Dann fehlt das Vernetzen zwischen dem Heer, der Luftwaffe und der Marine. Manchmal ist es so ein bisschen „mein Hörnchen“ und „dein Hörnchen“.“

 

Unser gutes Gespräch für "Gesichter des Lebens" könnte ich noch Stunden fortsetzen. Es macht mir große Freude mich mit diesen beiden Persönlichkeiten zu unterhalten. Bereits beim Fotografieren hatten wir sehr viel Spaß.

 

Herr Mehringen, was wünschen Sie sich?

 

„Ich wünsche mir dass ich noch lange gesund bleibe und im Herbst wie geplant in Pension gehen kann.“

 

Und Sie, Herr Czech?

„Auch dass ich so gesund bleibe wie ich jetzt bin!“

 

Danke meine Herren für unser Shooting für mein Fotoprojekt "Gesichter des Lebens" und dieses interessante Gespräch!


Es schliesst sich für mich ein weiterer Kreis als Mensch und als Fotografin. Beim Fotografieren braucht es Empathie um Menschen zu berühren, zu verbinden, sichtbar zu machen. Mit meinem fotografischen Blick auf die Menschen, Soldaten, Veteranen gehe ich einen weiteren Schritt. Zu wissen das mein / unser Projekt "Gesichter des Lebens" dabei wächst, macht mich stolz, da ich die Menschen liebe und gerne fotografiere.

 

Veteran sein heisst auch: Mensch sein. Sehen-Spüren-Fühlen. "Gesichter des Lebens" versucht dies sichtbar zu machen.

 

Ich möchte Danke sagen, an meine Herzensmenschen die mich unterstützen und tragen und mir immer wieder Tipps geben zu meinem Fotoprojekt. Danke an meinem geliebten Lebenspartner und an meinem Sohn. Ein dickes Danke nach Kenia an meine liebste Freundin Iris die sich verantwortlich zeichnet für die Texte. Danke an meine liebste Freundin Edda, die mich immer stärkt und mich unterstützt. Danke an Simone und Heike meine Fotografinnen Gang und wunderbare Freundinnen und Frauen. 

 

Es ist schön, wenn Ihr hier mit dabei seit. Danke ❤️. 

 

Fotografiert wird mit Nikon Z7II und dem Nikkor Z 50mm F/1,2S und Nikon Z6II und dem Nikkor Z 85mm f/1.8S.

„Genderhinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf eine geschlechtsneutrale Differenzierung verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für beide Geschlechter. Die verkürzte Sprachform beinhaltet keine Wertung.“

Hinterlasst mir hier gerne einen Kommentar, ich freue mich darauf. Danke!

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Kommentare: 1
  • #1

    Frank (Mittwoch, 15 Juni 2022 18:04)

    Wow was für ein Artikel und Fotos.
    Ich durfte Herrn Mehringer und Herrn Czech während eines Lehrgangs kennen lernen, zwei wunderbare Soldaten und Kameraden. Frau Skrzypczak meine Hochachtung vor Ihrer fotografischen Arbeit, ich bin wirklich sprachlos wie sie die Beiden fotografiert haben.
    ich wünsche Ihnen für Ihr einmaliges Projekt weiterhin viel Erfolg.
    Herzlichst Frak